Alle Müller, oder was?
Die Mühle in Alt-Marzahn und ihre Geschichte
Das imposanteste Wahrzeichen Marzahns ist die Windmühle, die sich an
der Landsberger Allee Ecke Allee der Kosmonauten dreht.
In Marzahn gab es urprünglich
mehrere Mühlen. Die erste bekannte Mühle soll in der Nähe der
heutigen Blenheimstraße ab 1805 von einem Müller Friedrich Scholz
betrieben worden sein. Später errichtete der Müller Johann Groh um
1873 an der selben Stelle eine neue Mühle, die bis zu ihrem Abriss im
Jahre 1908 in Betrieb war. 1905 wurde durch den Müller Maximilian Trier
eine Windmühle in Bernau erworben, die dieser nach Marzahn umsetzte.
Es
handelte sich, ähnlich wie bei der heute zu sehenden Mühle, ebenfalls
um eine Bockwindmühle, die allerdings schon aus dem Jahre 1791stammte. Der
Müller mahlte nicht nur Korn zu Mehl, sondern erzeugte ab 1912 auch Strom,
ein zu der damaligen Zeit einmaliger Vorgang. (Die Idee mit der ökologischen
Energieerzeugung ist also kein Produkt der heutigen Zeit...). Dazu hatte er
neben der Mühle ein Windrad aufgebaut, das einen Dynamo antrieb und eine
Batterie lud.
Besonders im Jahre 1945, als es keinen Strom mehr aus dem zerstörten
Berlin gab, versorgte der Müller das Dorf Marzahn mit Energie. Bis zum
Jahre 1958 war die Mühle in Betrieb, und mahlte für den Tierpark in
Friedrichsfelde Schrot. Danach war sie dem Verfall preisgegeben und zu Beginn
der Neubauaktivitäten in Marzahn abgerissen worden.
Eine weiter Mühle
stand in Biesdorf. Sie wurde 1713 errichtet, soll aber schnell verfallen sein.
Ein 1792 erfolgter Neubau mahlte bis in die Zeit des ersten Weltkrieges. Da der
Müller sich aber nicht an die Abgabenverordungen gehalten haben soll und
das Mehl "schwarz"verkaufte, soll die Mühle amtlich versiegelt
worden sein. Da sie sich nun nicht mehr nach dem Wind drehen konnte, soll sie
bei einem Sturm umgestürzt sein.
1987, als mit der 750 Jahr-Feier Berlins
auch ein offizielles Interesse für die Historie der Stadt wiedererwachte,
kam die Idee auf, umweit des Dorfes Alt-Marzahn eine Windmühle wieder
aufzubauen. Dazu wurde der heutige Mühlenberg aufgeschüttet. Mehrere
Jahre wurde auf dem Gebiet der damaligen DDR nach einer Windmühle gesucht.
Öfter
standen Kaufverträge zur Unterschrift an, doch sie platzten jedesmal. 1989
fand man in Luckow bei Angermünde die Reste einer Mühle. Der Berliner
Magistrat kaufte diese dann für die lächerliche Summe von 18000
DDR-Mark. Weitere Planungen wurden durch die Wende überholt und auch die
Windmühle blieb auf ihrem angestammten Platz in Luckow.
Nach neuen Richtlinien der Denkmalpflege konnte sie nun nicht mehr aus der Denkmalschutzliste gestrichen werden und das neuentstandene Land Brandenburg machte den "Umzugsplänen" ein Ende. Auch die Luckower wollten nun ihre Mühle nicht mehr hergeben, hatten sie doch den Tourismus neu entdeckt.
Aber warum sollte es auch eine "alte" Mühle sein? Schließlich
wurde eine holländische Firma mit einem Neubau beauftragt, der Anfang des
Jahres 1994 fertig war. Am 12. Mai 1994 wurde anläßlich des Marzahner
Frühligsfestes das erste Mehl ermahlen.
Seitdem lädt die Marzahner Mühle
auf dem Mühlenberg Alt und Jung zu einem interessanten Ausflug in die
Technikgeschichte ein, denn sie kann besichtigt werden. Ein eigens durch das
Bezirksamt eingestellter Müller führt sie vor und erzeugt auch noch
Mehl, welches übrigens unter anderem von dem Bäcker im Dorf bezogen
wird.
Seit dem 9. Mai 1989 gibt es am Mühlenberg rund um die Marzahner Mühle
einen Weinberg "Zur Mühle".
Jetzt hat die Marzahner Mühle auch eine eigene WebSite www.marzahner-muehle.de.
Interessant ist auch das Wetzig- Mühlenbauarchiv im Müllerhaus auf dem Tierhof im Dorf Alt- Marzahn und die Berlin-
Brandenburgische Mühlenregistratur und Mühlenarchiv (Mühlenvereinigung Berlin-
Barndenburg e.V.).