Deutsch-russischem Tschechow-Theater droht das Aus
Auswahlverfahren des Quartiersmanagements kritisiert
Der Freundeskreis des Berliner deutsch-russischen Tschechow-Theaters sieht die Zukunft des Hauses aufs Äußerste gefährdet. Hintergrund ist ein bis zum 30. August 2010 laufendes Auswahlverfahren des Quartiersmanagements, das vorgeblich auf die Weiterführung des Zimmertheaters an der Märkischen Allee gerichtet sein sollte, im Ausschreibungstext jedoch keinerlei Bezug auf den Namen, das Theater und dessen Wirkungsstätte nimmt. Statt dessen ist allein von einer "interkulturellen Begegnungsstätte" die Rede, was der Freundeskreis "bestürzt, empört und enttäuscht zugleich" zur Kenntnis nahm.
Der Freundeskreis - ein seit mehr als 5 Jahren von gut einem Dutzend Frauen und Männern des Stadtteils getragener ehrenamtlicher Theaterbeirat - hat deshalb in einem Offenen Brief an für das Quartiersverfahren verantwortliche Politikerinnen und Politiker im Senat und im Bezirksamt (u.a. Staatssekretärin Dunger-Löper und Bezirksbürgermeisterin Pohle) um eine "klare, eindeutige und aufrichtige Antwort" zur Zukunft des Theaters gebeten (Wortlaut im Anhang). Wörtlich heißt es in dem Schreiben: "Wir fordern das Weiterbestehen des Tschechow-Theaters im Stadtteil Marzahn NordWest!"
Die Nordwestmarzahner Theaterfreunde bekräftigen für den Fall eines tatsächlichen Schließungsbeschlusses, "eine solche kultur- und stadtteilschädigende Entscheidung nicht hinnehmen und unser Kleinod nicht aufgeben" zu wollen. So hat der Kreis bereits begonnen, alle Künstler um Unterstützung für das Theater zu bitten, die seit 2002 ihre häufig hochkarätigen Visitenkarten in der kleinen Zimmerbühne zur Freude eines dankbaren Publikums abgegeben haben.
Bereits 2008 stand die von Spätaussiedlern gegründete deutsch-russische Spielstätte schon einmal in einem Auswahlverfahren als "soziokulturelle Begegnungsstätte" zur Disposition. Dabei wurde jedoch deutlich darauf hingewiesen, dass es sich um die Weiterführung des Tschechow-Theaters an der Märkischen Allee 410 handele. Dieser Hinweis fehlt im aktuellen Verfahren und schürt neben der Unruhe den dringenden Verdacht, dass es für eine den Stadtteil mitprägende "Kulturinsel" bald "Land unter!" heißen könnte. Wir wollen den Anfängen wehren!
Freundeskreis des Berliner deutsch-russischen Tschechow-Theaters
Märkische Allee 410
12689 Berlin
Ansprechpartner: Marianne Sanft, Tel.: 030 - 9 31 58 66
Marianne Marquardt, Tel: 030 - 9 31 62 95,
E-Mail: mariannemarquardt@web.de
Ergänzung:
Das Mitglied des Freundeskreises vom Berliner Tschechow-Theater, Herr Dr. Reinhard Hoßfeld, hat auf seiner persönlichen Internet-Homepage eine spezielle Seite des Kreises eingerichtet, auf der man in gebündelter Form zu Dokumenten aus der Geschichte, dem heutigen und früheren Wirken dieses kleinen, aber feinen Theaters geführt wird.




