Drei Hufen Land
Ein Blick zurück in die Geschichte
Marzahn wird im Jahr 2000 den 700. Jahrestag seines Bestehens festlich begehen. Den Nonnen von
Altfriedland verdanken wir die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes. In einem Dokument,
ausgestellt am 19.November 1300, bescheinigte Albrecht, Markgraf von Brandenburg, dem
Nonnenkloster der Zisterzienserinnen in Friedland den Besitz, der zahlreiche Dörfer, Fischteiche,
Mühlen und Weinberge umfaßte und weit um das Kloster herum verteilt war. Einige versprengte
Besitztümer lagen bis fast nach Berlin hin, darunter Morczane, wie unser heutiges Marzahn in jenem
Dokument geschrieben wurde. Drei Hufen Land des Dorfes gehörten
zum Kloster, nach dem heutigen Feldmaßen berechnet ca. 21-30 ha.
Diese frühe Erwähnung in jenem Dokument hebt Marzahns unter den vielen Dörfern rund um Berlin
hervor. Viele andere Dörfer, die zur Zeit der Ostkolonisation in der Mark Brandenburg gegründet
wurden, werden erst im Landbuch Karl des IV. erwähnt, das dieser in Auftrag gab, um das neu
erworbene Land in seiner ökonomischen Leistungskraft zu erfassen. Das Landbuch gibt über die
Wirtschaftlichkeit der Dörfer im Jahr 1375 Auskunft. Marzahn hatte danach 52 Hufen, davon
gehörten dem Pfarrer und der Kirche 5, dem Kloster in Altfriedland drei und der Rest dem Ritter
Johannes von Wulkow, der seinen Stammsitz aber auf der Burg Falkenhagen nordwestlich von
Frankfurt im Lebuser Land hatte.
Wie die drei Hufen Land an das Kloster kamen, weist keine bekannte Urkunde aus. Vielleicht wurden
sie dem Kloster als Schenkung zugefügt, um das Seelenheils eines Verstorbenen zu retten. Vielleicht
brachte ein Edelfräulein sie als Mitgift ins Kloster. Die Familie der Ritter von Wulkow ist
möglicherweise der Schlüssel zum Verständnis. In Falkenhagen jedenfalls, dem Stammsitz der Ritter
von Wulkow, kennt man die Sage von dem Ritterfräulen, das bei einer Panik in der Burg vergessen
wurde und, nach Tagen wiedergefunden, an Körper und Geist Schaden genommen hatte. Zur
Verheiratung nicht mehr geeignet, wurde sie ins Kloster gegeben. Vielleicht gehörten die drei Hufen
zu ihrer Mitgift. Sagen kann man immer neu erzählen.
Bei den Zisterziensern galt der Leitspruch: "ora et labora", bete und arbeite. Mittelpunkt der
klösterlichen Wirtschaft außerhalb der Klosteranlagen waren die Grangien, die Wirtschaftshöfe, die
bis zu 500 ha groß sein konnten. Doch der unwirtschaftliche Streubesitzes, wie die drei Hufen in
Marzahn, wurde an Zinsbauern verpachtet und die Pacht stärkte den Reichtum des Klosters.
Altfriedland, gelegen an der Fernverkehrsstaße 167, die Seelow mit Wriezen verbindet, hat noch
einige historische Mauern und Gebäude aus der Zeit der Nonnen aufzuweisen. Von der frühgotischen
Klosteranlage gibt es Reste des Kreuzganges und des Reflektoriums, dem Speisesaal der Nonnen,
dessen Decke von einem sehr schönen backsteinernden Sterngewölbe getragen wird. Die Reste der
Klosterruine werden gegenwärtig durch ein Behelfsdach geschützt und harren auf die Sanierung.
Erhalten ist die Klosterkirche. Sie ist aus Feldsteinen gemauert, mehrfach umgestaltet und mit einem
Turmaufbau versehen. Original sollen u.a. Teile des Fußbodens sein, so auch die Fliese mit dem
Abdruck der "Kralle des Teufels". Sie erinnert an die Legende von der standhaften Novizin, die die
Nacht vor der Einkleidung in die Ordenstracht in der Klosterkirche zu verbringen hatte und vom
Teufel in Versuchung geführt wurde.
Wer mehr wissen will, mache sich auf die Reise nach
Alftfriedland. Ein freundlicher Ort in schönster Natur.