Wohngebäude an der Raoul-Wallenberg-Str.
Marzahner Geschichte(n)


Weitere Geschichte(n) aus Marzahn
Mit dem Abriß von Plattenbauten ist nicht zu rechnen...
Wohnen in Marzahn


Hauptpostamt Marzahn
Bild 1: Hauptpostamt Marzahn


FreizeitForum Marzahn
Bild 2: Freizeitforum Marzahn


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Rathaus Marzahn
Bild 3: Rathaus Marzahn


Kunstwerke an der Marzahner Promenade Bild 4: Kunstwerke an der Marzahner Promenade


Frank Wassmuth, Marzahn
Copyright: www.linie7.de


    Wie das moderne Marzahn entstand

    Die Schaffung Marzahns in seiner heutigen Form beruht auf dem Wohnungsbauprogramm der damaligen DDR, das 1973 beschlossen wurde und vorsah, die "Wohnungsfrage als soziales Problem" bis 1990 zu lösen. Dazu sollten bis zu 3 Millionen Wohnungen in der DDR neugebaut und modernisiert werden.

    Aus Kostengründen stand der Neubau zunächst im Vordergrund und es wurden in zahlreichen Städten Wohngebiete auf der "grünen Wiese" errichtet. In den letzten Jahren der DDR besann man sich angesichts des zunehmenden Verfalls der historisch gewachsenen Innenstädte dann auch auf die Modernisierung von Altbauten.

    Um das ehrgeizige und eigentlich über die finanziellen Möglichkeiten der DDR-Wirtschaft hinausgehende Wohungsbauprogramm in die Tat umzusetzen, war es erforderlich, möglichst preiswert zu bauen. Dazu besann man sich auf die Plattenbauweise, die eine schnelle und effiziente Bauform ist.

    Bereits in den 60er Jahren versuchte man auch im damaligen West-Berlin, der Wohnungsnot auf diese Weise Herr zu werden. Doch die Probleme, die sich in den Plattensiedlungen in der Gropiusstadt und im Märkischen Viertel alsbald zeigten, wurden durch die DDR-Führung ignoriert.Es wurden verschiedene Typenbauten entworfen, die aus vorgefertigten Elementen bestehen und zu verschiedenen Zwecken verwendet werden konnten, sowohl die Wohnhäuser sind von ihrer äußerlichen Bauform überwiegend identisch, als auch Versorgungs- bauten, Schulen und Kindereinrichtungen.

    Leider war mit dieser Baumethode eine Monotonie und Gleichförmigkeit der Architektur vorprogrammiert.Obwohl die Architekten, oftmals gegen Widerstände, versuchten, unterschiedliche Erscheinungsbilder durch Fassadengestaltung und Kombination der verschiedenen Sytembauten zu erreichen, konnte die Eintönigkeit nicht verhindert werden.

    Mit einigen architektonischen Glanzleistungen kann Marzahn jedoch aufwarten. Bestimmte Funktionsbauten stellen gelungene und interessante Lösungen dar, wie die Hauptpost am S-Bahnhof Marzahn (Bild 1 links), das Rathaus (Bild 3 rechts), das Freizeitforum (Bild 2 rechts) oder die Galerie M. Bei der Ausgestaltung mit Werken der bildenden Kunst (Bild 4 rechts) sind ebenfalls zahlreiche interessante Stücke entstanden.

    Der Aufbau der Marzahner Promenade in den achtziger Jahren

    Im März 1975 begannen die Erschließungsarbeiten, ab 1977 die Errichtung erster Häuser. Das erste Wohnhaus in der Marchwitzastraße 41-45 wurde innerhalb von nur 109 Tagen fertiggestellt. Eine Stele, die eine Richtkrone symbolisiert, wurde vor diesem Haus zur Erinnerung aufgestellt.Zwischen 1977 und 1987 wurde statistisch gesehen alle eineinhalb Stunden eine Wohnung fertig...

    1977 wurde die erste Schule fertig, 1978 die erste Krippen- und Kindergarteneinrichtung, im Juni 1978 eröffnete die erste (noch provisorische) Poliklinik, die 1979 in ihr festes Domizil umziehen konnte. 1976 fuhr die erste S-Bahn nach Marzahn, 1982 dann bis nach Ahrensfelde. 1988 eröffnete man die U-Bahn-Linie.Bis in die achtziger Jahre wurden nahezu täglich Wohnhäuser und andere Gebäude eröffnet.

    Seit 1980 gibt es das Kino Sojus, seit 1983 die Volkshochschule, seit 1984 die Galerie M, die jedoch erst nach der Wende ihr neues Domizil in der Marzahner Promenade beziehen konnte; 1986 öffnete die erste Schwimmhalle und auch erste Bestandteile der Marzahner Promenade.Leider zeichnete sich die Tendenz ab, daß die Fertigstellung der Versorgungsbauten hinter den Wohngebäuden zurückblieb; eine Ursache für den Ruf Marzahns als "Schlafstadt".

    Wer einkaufen wollte oder Kultur erleben, der mußte Richtung Zentrum fahren. In den letzten Jahren der DDR verbesserte sich die Situation zwar, doch ist noch heute ein gewisser Mangel an Versorgungs- und Kultureinrichtungen zu verspüren, der jedoch seit der Währungsunion zumindest hinsichtlich Verkaufsgebäuden spürbar abnimmt.

    Auch die Wohnumfeldgestaltung ließ während der nie zu Ende gehen wollenden Bauphase Marzahns zu wünschen übrig. Für viele neue Mieter waren anfangs Gummistiefel ein lebenswichtiger Gebrauchsgegenstand.

    Doch inzwischen sind Straßen und Wege fertig, und auch die anfangs noch mickrige Bepflanzung hat sich stattlich entwickelt. Der beklagte Mangel an Grün ist fast völlig verschwunden.Marzahn ist jedoch nicht nur die bekannte Neubausiedlung. Ein Großteil der Fläche wird von historisch gewachsenen Altbaugebieten und Ein- und Mehrfamilienhäusern eingenommen.

    Am 5.1.1979 wurde Marzahn als eigenständiger Stadtbezirk anerkannt, nachdem es vorher Teil Lichtenbergs war. Die Alliierten protestierten, da damit Vereinbarungen über die Anzahl der Verwaltungsbezirke verletzt wurden. Auch das Vierseitige Abkommen von 1971 wurde durch die Baumaßnahmen in Marzahn gebrochen, da sich Teile Marzahns über die Stadtgrenzen Berlins in die DDR schoben. Diese Einwände wurden aber durch die DDR-Regierung ignoriert.

    Heute steht Marzahn vor zahlreichen Problemen, die sich aus der Sanierung der Plattenbauten und der Verbesserung des Wohnumfeldes ergeben. Dennoch stellt sich für viele Marzahner der Stadtbezirk als ihre Heimat dar, und bietet mit seiner Mischung aus alten Siedlungsgebieten, wie Biesdorf und den Neubaugebeiten, eine interessantes Gesicht.Nach der Sanierung der Wohnungen haben diese durchaus ein ansprechendes Niveau.Auch die Mischung der Einwohnerschaft, hier wohnen Arbeiter und Direktor Tür an Tür - eine Folge der DDR-Wohnungspolitik - trägt zu einer unverwechselbaren Lebensqualität bei.Die zu DDR-Zeiten obligatorische Hausgemeinschaft hat sich oftmals auf freiwilliger und freundschaftlicher Basis erhalten und bietet in vielen Häusern einen echten solidarischen Umgang der Hausbewohner, der in der heutigen Zeit eher selten geworden ist.

    Durch die räumliche Ballung des Bezirks finden sich gerade für Kinder gute Bedingungen, kurze Schulwege, ausreichend Kita-Plätze in Wohnnähe, ein nahezu perfektes ÖPNV- Netz und kurze Fahrzeiten, bis man Brandenburgs grüne Natur erreicht, aber auch die verhältnismäßig schnelle Erreichbarkeit der Berliner Innenstadt machen Marzahn zu einer interessanten Wohngegend.

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