Luftschiffe über Biesdorf
Nein, sie kommen wohl nicht wieder. Bis auf den einen oder anderen
"nachgemachten" Zeppelin, der zu Werbezwecken über unserer
Stadt kreiste, sind die Herren der Lüfte wohl nur noch Geschichte.
Doch wer wußte, daß ausgerechnet in Biesdorf (heute Stadtteil Marzahns) eine der Wiegen des Luftschiffbaus in Deutschland stand?
1907 bis 1909 wurde in Biesdorf eine Luftschiffhalle errichtet, die
in ihrer Bauweise einzigartig war - sie war nämlich um 360 Grad dreh-
bar, um sich in die Windrichtung der anfliegenden Luftschiffe bewegen
zu können. Sie war 135 m lang und je 25 m breit und hoch. Sie soll
zwischen 800 und 1200 Tonnen gewogen haben.Die Halle ist auf
dem Bild unten zu sehen.

In ihr wurden zwei Luftschifftypen der Firma Siemens-Schuckert gebaut und auf ihre Erprobung vorbereitet. Bis zum Jahre 1912 fanden insgesamt 64 Probefahrten von Biesdorf aus statt, deren längste 7 Stunden dauerte. Besonders hervorzuhebende Ereignisse waren Fahrten um das kaiserliche Schloß und nach Potsdam sowie eine Wasserlandung auf dem Müggelsee.
Natürlich standen neben den Vorführungs- und Rundfahrten Erprobungen für eine spätere militärische Nutzung im Vordergrund. Dennoch erhielt die Firma Siemens-
Schuckert nicht den Zuschlag des Kriegsministeriums, und die
SSL Luftschiffe erlangten keine militärische Bedeutung. Die Halle wurde jedoch im ersten Weltkrieg für andere Luftschiffe genutzt. Nach dem
Krieg wurde die Luftschiffhalle auf Befehl der Alliierten
abgetragen, da der Versailler Vertrag keinerlei militärische Luftfahrt in
Deutschland mehr zuließ.
Daß die Luftschiffhalle ausgerechnet in Biesdorf stand, ist sicher kein
Zufall: war doch Werner von Siemens und später dessen Sohn Wilhelm zeitweilig Besitzer
von Schloß Biesdorf (Bild links oben).