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Helene-Weigel-Platz
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Schwimmhalle wieder nach Helmut Behrendt benannt

[...22. August 2005]

Erneute Namensverleihung zum 20. Todestag des engagierter Sportlers

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"Den verpflichtenden Namen Helmut Behrendt erhielt am Dienstag die neue Schwimmhalle am Helene-Weigel-Platz in Berlin Marzahn. Vor der Schwimmhalle wurde eine vom Berliner Bildhauer Prof. Wieland Förster 1963 geschaffene Büste Helmut Behrendts enthüllt."
Das schrieb am 4. September 1986 eine in Berlin erscheinende Tageszeitung.

Sowohl der Name als auch die Büste wurden 1990, in den Tagen der "Wende", entfernt. Zu unser aller Glück konnte die Büste Helmut Behrendts von Professor Wieland Förster, der sie geschaffen hat, sichergestellt werden.

Am 4. September 2005, dem 20. Todestag von Helmut Behrendt, erhält die Schwimmhalle am Helene-Weigel-Platz 2 den damals getilgten Namen zurück und die Büste einen ehrenvollen Platz im Eingangsbereich.

Wer war Helmut Behrendt?
Er wurde am 18. Januar 1904 in Königsberg (Ostpreußen) geboren. Von 1911 bis 1919 besuchte er die Grundschule und erlernte danach den Beruf eines Schwachstromelektrikers und -monteurs.

Helmut Behrendt

Seit 1919 gehört er der Sportgemeinschaft Concordia Königsberg an, wo er Rasenkraftsport betreibt. 1922 wird er Mitglied des Arbeiter-Rasensportvereins und besucht 1925 die Bundesschule des Arbeiter Turn- und Sportbundes in Leipzig. Später in Berlin spielt er von 1929 bis 1933 Fußball bei Fichte Südost Berlin.
Als politisch engagierter Arbeitersportler wird er infolge der Entwicklungen in der Weimarer Republik 1931 Mitglied der KPD und der Roten Sport-Einheit. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland emigriert Helmut Behrendt in die Sowjetunion. Er kehrt aber schon 1934 illegal nach Berlin zurück, wird 1935 verhaftet und wegen Hochverrats zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Seine Strafe verbüßt er in den Zuchthäusern Luckau und Brandenburg. 1942 wird er nicht entlassen, sondern bis 1945 in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Mauthausen festgehalten.

Nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager arbeitet Helmut Behrendt zu nächst in seinem Beruf beim Hauptpostamt Berlin und engagiert sich auch sofort für den Neuaufbau des Sports. Nach der Gründung des Deutschen Sportausschusses 1948 wird er Mitarbeiter der Sektion Fußball des DS und 1952 zum Leiter der Abteilung Internationale Verbindungen im Staatlichen Komitee für Körperkultur und Sport der DDR berufen.

Zur gleichen Zeit übernimmt er die Funktion des Generalsekretärs des Nationalen Olympischen Komitees der DDR, die er bis 1973 ausübt. Für seine außerordentlichen Verdienste um die olympische Bewegung zeichnet ihn der Präsident des IOC, Lord Killanin, 1976 als ersten Bürger der DDR mit dem Olympischen Orden in Bronze aus.

Die erneute Verleihung des Namens "Helmut Behrendt" an die Schwimmhalle am Helene-Weigel-Platz in Berlin und Aufstellung der von Wieland Förster 1999 sichergestellte Büste in der Eingangshalle erfolgt auf Anregung des Freundeskreises der Sportsenioren Berlin durch

  • die BVV Marzahn-Hellersdorf
  • das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf
  • die Berliner Bäder-Betriebe
  • mit Unterstützung des Heimatvereins Marzahn-Hellersdorf e.V.
  • der ABU Berlin e.V.
  • der Sportarbeitsgemeinschaft Marzahn-Hellersdorf e.V. und
  • zahlreicher Freunde des Sports


Interview von Hans Jürgen Zeume von der Marzahn-Hellersdorfer Sportarbeitsgemeinschaft mit Petra Wermke, Vorsteherin der BVV Marzahn-Hellersdorf.

Nach dem Bildersturm nun eine Rückbenennung

In einer Ledertasche ruht bei der sportbegeisterten Vorsteherin der BVV Marzahn-Hellersdorf Petra Wermke die Büste eines bekannten DDR-Olympiers: Helmut Behrendt. Er war von 1953 bis 1973 Generalsekretär des NOK für die DDR und wurde für seine Aktivitäten 1978 anlässlich der IOC-Session in Montreal vom damaligen Präsidenten Lord Killanin mit dem Olympischen Orden in Bronze geehrt. Im Frühjahr 1986 ehrte man ihn mit der Benennung der neuen Schwimmhalle in der Neubauregion Marzahn und mit dem Aufstellen einer Büste, die der Berliner Bildhauer Prof. Wieland Förster schuf. Diese war in den Folgeerscheinungen des Wendeherbst 1989 entfernt worden wie auch der Namenszug an der Eingangshalle.

Nun wird am 4. September an Behrendts zwanzigsten Todestag der Urzustand wieder hergestellt. Büste und Namen kehren öffentlich feierlich zurück. Ein Ereignis besonderer Art im Osten Deutschlands. Petra Wermke, die sich besonders engagierte, erläuterte Hintergründe in nachstehendem Interview.


Frau Wermke, wie kam es zu der Idee der Rückbenennung, die auch den Segen der BVV, des Bezirksamtes und der Bäderbetriebe erhielt?

Ausgangspunkt war ein Brief eines mir dazumal persönlich nicht bekannten Marzahners. Er schrieb mir am 28. Januar 2005: Die Schwimmhalle in Marzahn am Helene-Weigel-Platz hieß bis 1990 Schwimmhalle Helmut Behrendt. Denkmalstürmer beseitigten den Namen und die vor der Schwimmhalle aufgestellte Büste dieses Antifaschisten, der den Mut hatte, dem Faschismus in Deutschland die Stirn zu bieten. Zwölf Jahre seines Lebens, während der gesamten Nazizeit, war er dafür hinter Kerkermauern, die meisten Jahre davon im Konzentrationslager Mauthausen. Trotz erlittener gesundheitlicher Schäden stellte sich Helmut Behrendt 1945 sofort dem Neuaufbau des Sports in Berlin zur Verfügung.

Aber dann gab es wohl eine Menge Trubel, weil die Suche nach der Büste erfolglos blieb?

Stimmt. Bei meiner Recherche erfuhr ich, dass Frau Förster, die Gattin des Künstlers, der die Büste schuf, 1999 in der Schwimmhalle am Springpfuhl war und zusammen mit einem Angestellten nach der Büste suchte. Sie fanden sie unversehrt und nicht beschädigt in einem hinteren Winkel des Abstellkellers. Sie nahm sie mit nach Hause. Nach einem Zeitungsaufruf meldete sie sich. Ihre Tochter Monika und ihr Sohn Udo werden am 4. September bei den Feierlichkeiten dabei sein.

Feierlichkeiten, das verspricht eine Menge Prominenz. Oder?

Sportreporter Heinz Florian Oertel wird die Moderation haben, zur Begrüßung wird unser Bezirksbürgermeister Dr. Uwe Klett sprechen, eine Rede wird Dr. Günther Heinze halten, Nachfolger Behrendts als NOK-Generalsekretär, später Präsident, Mitglied des IOC und heute dessen Ehrenmitglied. Der Fanfarenzug Marzahn wird aufspielen, die sehr erfolgreichen Schwimmer von Medizin Marzahn da sein wie auch einstige Olympiasieger des DDR-Sports. Wir erwarten auch eine Menge Medienvertreter und viele Bürger unserer Stadt.

Wird die Rückbenennung der Schwimmhalle dem Sport der Region, der vor allem auf den Breiten-, Gesundheits- und Seniorensport setzt, den Kinder- und Jugendsport aber nicht vernachlässigt, neue Impulse geben?

Ich glaube nicht, obwohl wir mit dem neu erschlossenen und gestalteten Wuhletal den größten Sportplatz Natur von Berlin anzubieten haben und sich auch unsere 98 Vereine mit über 11.000 Mitgliedern sehen lassen können. Wir als Politik betrachten die Rückbenennung als unseren Beitrag zum 60. Jahrestag der Befreiung vom Hitlerfaschismus und als ein Stück Geschichtspflege. In einem Buch "Die DDR bei Olympia" las ich, dass an der Spitze des neugegründeten westdeutschen NOK der emigrierte Großherzog Adolf Friedrich von Mecklenburg und der letzte Reichssportführer des faschistischen Deutschland Ritter von Halt agierten. Als die Nazis 1936 die Olympischen Spiele in Berlin veranstalteten, saß der einstige Fichte-Arbeitersportler Helmut Behrendt hinter Kerkermauern in Brandenburg.

Was kostet die Rückbenennung?

Moderator und Redner wirken ohne Honorar. Es gab Spenden durch den Verein Sport und Gesellschaft, von den Berliner Sportsenioren, durch das Heimatmuseum, von der Sport-ArGe und dem Sportausschuß sowie das Deutsche Sportmusem. Es gibt ein kleines Honorar für den Fanfarenzug.

Daß sie sehr sportbegeistert sind, das merkt man, aber woher haben sie Ihr Wissen über Behrendt?

Ich bin ins Archiv des Neuen Deutschland gegangen und habe mich belesen und Kopien gezogen. Ich habe daraus meine Schlüsse gezogen, dass er sehr beliebt gewesen war. Die Leute sprechen mit Achtung von ihm, auch im Ausland. Und er war so lange Generalsekretär. Was meine eigenen sportlichen Aktivitäten angeht: ich wuchs in Storkow in einer der wasserreichsten Regionen Deutschlands auf, mein Vater war Sportlehrer und begeisterter Segler. Auch ich segelte eine H-Jolle und einen 20er Jollenkreuzer auf dem Storkower und auf dem Scharmützel-See. Heute habe ich mich dem Salsa-Tanz verschrieben. Einmal wöchentlich. So es geht, verpasse ich kein Großereignis in unserer Region. Ich war auch beim 100. Geburtstag von Fortuna Biesdorf, weil ich dort in der Nähe heute mit meinem Mann und meinen beiden Söhnen Felix und Maxim lebe.

Geben Sie uns noch bitte ein paar Angaben zur Person.

Gern. Ich bin Jahrgang 1962, geboren in Wilhelm-Pieck-Stadt Guben, aufgewachsen in Storkow, Abiturientin, Studium der Gummitechnologie in Moskau, Diplom-Ingenieurin, mit der kommunalen Politik seit 1995 verbunden, seit 2000 BVV-Vorsteherin. Ich bin Mitglied der PDS und war Mitglied der SED.

Interview: Hans-Jürgen Zeume

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