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27.08.2014 08:27

Vom Trümmerberg zum Modellprojekt

Ökologische Entwicklungsperspektiven für den Kienberg in Marzahn-Hellersdorf

Auch zukünftig sollen Spaziergänger und Naturliebhaber eine Vielzahl an Vögeln, Schmetterlingen und anderen Tieren auf dem Kienberg beobachten und dabei durch einen Wald mit abwechslungsreichen Waldwegen und Lichtungen wandern können. Um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, erarbeitet die Grün Berlin GmbH im Austausch mit Naturschutzverbänden und Wissenschaftlern ein Konzept zur langfristigen Förderung der biologischen Vielfalt auf der Anhöhe, die ursprünglich aus Trümmern entstand. Erste Entwicklungen sollen bereits zur Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2017 gezeigt werden.

Inmitten von Marzahn-Hellersdorf wird 2017 zur IGA ein abwechslungsreicherLandschaftsraum erlebbar sein, der sich von den Gärten der Welt, über den Kienberg und Teile des Wuhletals erstreckt. Als besondere Attraktion gelten schon heute die geplante Seilbahn, mit der die Gäste fast lautlos auf den Gipfel des Kienberges fahren und dort vom Aussichtsbauwerk aus, dem sogenannten Wolkenhain, einen Blick bis zum Fernsehturm auf dem Alexanderplatz genießen können.

Das Naturerlebnis in der Stadt möchte die IGA Berlin 2017 dabei mit Naturschutz und Nachhaltigkeit verbinden. Ein wesentlicher Aspekt ist dabei auch die langfristige ökologische Weiterentwicklung des Kienberges, für die nun mit einem Waldentwicklungskonzept die Weichen gestellt werden.

Der Kienberg früher und heute

Der ursprünglich aus Bauschutt und Trümmern entstandene Kienberg in Marzahn-Hellersdorf ist bereits heute ein beliebtes Naherholungsgebiet für Berlinerinnen und Berliner. In den 1980er Jahren wurde die Anhöhe mit tatkräftiger Unterstützung von Bürger_innen bepflanzt. Aufgrund der starken Ausbreitung schnell wachsender, nicht heimischer Gehölze, wie Robinien, Eschenahorne oder Götterbäume, konnten Lichtungen auf dem Kienberg trotz ehrenamtlicher Mitarbeit von Anwohner_innen nicht dauerhaft offen gehalten werden und sind inzwischen häufig zugewachsen. Der dichte Bewuchs
erscheint für Erholungssuchende vielleicht auf den ersten Blick naturnah. Jedoch hat diese Entwicklung zu einem zunehmenden Rückgang von dort lebenden licht- und wärmeliebenden Arten der Tier- und Pflanzenwelt geführt, die sich den geänderten Verhältnissen nicht anpassen konnten.
Angele Schonert, vom NABU, unterstreicht: "Aus Anlass der IGA bietet sich nun die Chance, den Wald mit entsprechenden Pflegemaßnahmen wieder zu einem
Lebensraum für eine größere Vielfalt an Tieren und Pflanzen werden zu lassen."

Schwerpunkte für die Weiterentwicklung des Waldes

Um den Kienberg zu einem auch langfristig stabilen und abwechslungsreichen Stadtwald weiterzuentwickeln, arbeitet die Grün Berlin GmbH seit dem Frühjahr an Lösungen für diese Herausforderungen, gemeinsam mit den Naturschutzverbänden BUND, NABU, IG Wuhletal, dem Berliner Landesbeauftragten für Naturschutz und Landschaftspflege und der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz e.V. (BLN). Auch Wissenschaftler der TU Berlin und der TU Dresden bringen ihre Expertise in das Konzept ein.

Ein Schwerpunkt in der Pflege des Kienberges soll auf dem Erhalt und der Entwicklung von Lichtungsbereichen liegen, um so verschiedene Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu schaffen und die Artenvielfalt langfristig wieder zu erhöhen. Bernd Machatzi, beim Landesbeauftragten für Naturschutz, empfiehlt: "Damit licht- und wärmeliebende Tier- und Pflanzenarten wieder auf dem Kienberg leben können, sind punktuelle Eingriffe wie die Erweiterung von Lichtungen und das Freistellen von ausgewählten Gehölzen wie beispielweise Ulmen oder Stiel-Eichen erforderlich."

Gerade der Übergang von besonnten Lichtungen zu beschatteten Bereichen ist für die Vielfalt von großer Bedeutung. Auch reich strukturierte Gehölzränder an Wegen sowie an den Ausläufern des Kienberges sollen dazu beitragen. Dabei wird der Kienberg als eine Kulturlandschaft verstanden, die gleichermaßen Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie wichtiger Rückzugsort für Erholungssuchende ist. Ein Beispiel zeigt, wie diese Verbindung gelingen soll:

Verbindung von Naturschutz und Erholung

So werden am sonnigen südlichen Hangfuß des Kienbergs bis zur IGA Berlin 2017 Streuobstwiesen mit offenen Wiesenbereichen entstehen, in die dort bereits vorhandene Obstbäume integriert werden. Durch die Entwicklung von strukturreichen Gehölzsäumen und fugenreichen Natursteinmauern an den neuen Kienbergterrassen werden die Weichen für die Zunahme der Artenvielfalt gelegt. So stellen Obstbäume für Bienen, Käfer, Schmetterlinge, Vögel aber auch kleine Säugetiere eine wichtige Nahrungsgrundlage dar. Während der Ausstellungszeit in 2017 ist dabei entlang der Terrassen angedacht, Obst- und Weinanbau zu veranschaulichen. Weiterhin ist beispielweise vorgesehen, aufgelesene Steine an sonnigen Lagen zu Haufen aufzuschichten, um hier Rückzugsräume für Zauneidechsen zu schaffen, die Wärme und Trockenheit lieben und derzeit nicht mehr auf dem Kienberg leben.

"Wir möchten auf dem Kienberg zeigen, dass Stadt und Natur keine Gegensätze sein müssen und im städtischen Kontext auch nicht sein sollten. Die vielen Grünräume Berlins bilden vielmehr Möglichkeiten, diese Orte als Erholungs - UND Naturräume zu gestalten", so Christoph Schmidt, Geschäftsführer der Grün Berlin GmbH und der IGA Berlin 2017 GmbH.